Trainerwechsel beim FC Appenzell: Für neue Impulse – oder gar gegen einen Graben?
In der FCA-Garderobe ist es laut, als ein Siegerfoto geschossen wird. Und dann sehr ruhig. Das Trainerduo Marco Pola/Manuel Baumann und Sportchef Roger Zürcher halten sich dort auf. Dem Team wird mitgeteilt, dass die Rückrunde mit neuem Staff angegangen wird. Der Vorstand hat zehn Tage vor Beginn der Winterpause beschlossen, sich von Pola und Baumann zu trennen. Am vergangenen Dienstag sind dann die Trainer informiert worden. Der 58jährige Pola hätte nach eigener Aussage vermutlich im Sommer aufgehört. Nach vier Jahren wäre dies ein vernünftiger Moment gewesen, begründet er. Seit 2023/24 resultierten die Plätze sechs, zwei (wobei der Aufstieg in die 2. Liga hauchdünn verfehlt worden ist) und fünf. Der 28jährige Assistent Baumann hat den Rückzug aus beruflichen Gründen bereits angekündigt. Pola versteht den Entscheid nicht, vor allem den Zeitpunkt. «Die Vorbereitung habe ich schon aufgegleist.» Er sei überzeugt, dass die Mannschaft intakt sei, unter Baumann und ihm aus dem «Keller» herausgekommen wäre.
«Ein wunderbarer Abschluss»
«Der Zeitpunkt für eine Entlassung ist nie gut», sagt Roger Zürcher. «Ich finde es unausstehlich, dass man noch lange so tut, wie wenn nichts wäre. Deshalb haben wir die Spieler direkt nach der letzten Herbstpartie informiert.» Die Resultate seien nicht für die Trennung ausschlaggebend, stellt der Sportchef klar. Er spricht von fehlender Chemie, vorhandenem Graben, festgefahrenen Eindrücken, nicht erfüllten Erwartungen. Davon habe er nichts gespürt, kontert Pola. «Die Spieler haben wohl nicht gewusst, dass wir entlassen werden.» Darum freue es ihn besonders, dass man noch zu zwei Siegen gekommen sei: «Ein wunderbarer Abschluss.» Natürlich sei er enttäuscht. Jeder gute Trainer werde mindestens einmal entlassen, meint Pola in der Trainerkabine noch zu Baumann. «So gesehen sind wir ein gutes Duo…»
Herzblut und Leidenschaft
Ihre Nachfolge ist offen. Man habe diesbezüglich noch nichts unternommen, teilt der Sportchef mit. «Wir geben uns die nötige Zeit.» Präsident Rayco Gutierrez hält sich in Spanien auf. In den Sozialen Medien schreibt er am Sonntag von neuen Impulsen, die man sich erhoffe. «Wir bedanken uns bei den beiden Trainern für ihren unermüdlichen Einsatz. Sie haben mit viel Energie, Herzblut und Leidenschaft die Vereinsentwicklung mitgeprägt.» Der Entscheid sei der Vereinsführung nicht leicht gefallen – und er schmälere die grossen Verdienste Polas und Baumanns in keiner Weise, kommentiert Gutierrez weiter. Lukas Pfiffner